
Hier sind 2 Dateien, nach denen in anderen Blogs gefragt wurde. Im "
Good Bad Music For Bad, Bad Times!"-Blog wurde nach dem "KZ 36"-Sampler gefragt, einer Live-LP mit 2 Berliner und 2 Hannoveraner Punk-Bands von 1980. Aufgenommen im Berliner Anarcho-Punk-Laden KZ 36, dem Gegenentwurf zum "Kommerz-Laden" S.O. 36, u.a. mitorganisiert von Andreas Heske, dem Sänger der Betoncombo, sowie einem gewissen Karl Walterbach, der später das erfolgreiche Punk-Label
Aggressive Rockproduktionen aufbaute.
Ätztussis waren ein Berliner Frauenquartett, die zu der derben Polit-Szene um Katapult und das Fronttheater herum gehörte. Vor ein paar Jahres erschien noch eine LP von ihnen in Kleinstauflage mit weiteren Live-Aufnahmen. Die Betoncombo aus Berlin dürfte in der deutschen Punk-Szene wesentlich bekannter sein und kann es von der Radikalität her mit jeder Hamburger Band aufnehmen. Blitzkrieg waren das Flagschiff der Gossenszene aus Hannover. Lost & Found Records brachte in der 80er Jahren eine CD mit ihren verstreuten Aufnahmen und viel unveröffentlichtem Kram heraus, als aus der Band längst die bekannteren, aber ebenso eigenwilligen Boskops entstanden waren. Die Kondensators schließlich haben nie irgendwo was anderes veröffentlicht, sind auch die schlechteste Band der Platte, aber immerhin spielte hier Konrad Kittner (R.I.P.) Bass.
KZ 36 live
"1.Mai live" / Ätztussis "Bullen" / "Linker Spießer" / "Mollies und Steine" / "Liebeslied" / Blitzkrieg "Ohne Zukunft" / "Superkühl" / "Eure Zeitung" / "Freies Land" / "Weg mit den Bullen" / Betoncombo "Gropiusstadt-Endlosfuck" / "Nazis Raus" / "Eltern" / "Einigkeit" / "Kreuzberg" / Kondensators "Maloche" / "Ab ins Beerhouse, 1,2,3" / "Verpiss dich, Du nervst mich"
(LP, ohne Label, 1980) (download)
Im "Not Rock On"-Blog fragte jemand nach Din-A-Testbild, was interessant ist, weil diese Band zu der genau gleichen Zeit wie die Bands vom KZ 36-Sampler in der Punk-Szene auftauchte, allerdings musikalisch das genaue Gegenteil war, nämlich eine wilde dilettantische Lärmorgie. Hier ist eine Zusammenstellung ihrer frühen Aufnahmen:
1. Roboter (S.O.36 Berlin, 13.8.1978) von der LP "S.O.36 13. August 1978", erschienen 1979 auf Ignition Records, organisiert waren Festival und LP von Knut Schaller von PVC und bezahlt hat die Platte der Künstler Martin Kippenberger, beide schon lange tot. Das Cover bestand aus den Stahlplatten, die aus dem Tanzboden des S.O.36 herausgerissen waren.
Betr.: Schallplatte S.O.36
Dieser Posten mit inhalt soll eines der besten Beispiel der ziellosen Zeit sein. Wo Musik nicht Musik bedeutet, sondern Inhaltslosigkeitsbemühungen Trumpf waren. Forsche Tätigkeiten in der Freizeit wurden ermöglicht durch Werktätige und Arbeitslose aus dem öffentlichen Dienst.
Der Inhalt schlechthin erinnert an eine Schallplatte. Nur Jene die in den leeren Genuß, des von ersichtlich gutaussehenden Junkern zu groß gestaltetem Kinderzimmer im Stadtteil S.O.36 gekommen sind, werden wissen, das dies ein Abprodukt des Veranschaulichungskursklunb war.
Das S.O.36 wurde 1979 geschlossen.
Schade? Nein! Die Zeit lehrt uns, daß es sich nicht nur um Stunden und Tage handelt, sondern Jahre vorzubereiten gilt.
Eines wissen wir: Früher war alles verboten, heute alles erlaubt. Was hat das für uns zu bedeuten, was können wir daraus lernen? Wir lassen nicht jedes vorprogrammierte Zeichen der Zeit über uns kommen, sondern machen Scheiße. Am besten gar nichts.

2. Hiroshima (Markthalle Hamburg, 29.6.1979) von der LP "In die Zukunft - Live", erschienen 1980 auf Konnekschen Schallplatten, zusammengestellt von Alfred Hilsberg, herausgegeben vom auch schon lange verstorbenen Robert Nitz.
Für die experimentellen Bands hatte dagegen das Pogopublikum überhaupt keinen Nerv und griff zu Bierdosen und Flaschen. Materialschlacht, die zusammen mit Din A Testbild musikalisch weiteste Band, hatte darunter zu leiden. (Aus SOUNDS 8/79)
Zu diesem Zeitpunkt war Gudrun Gut (Mania D., Malaria etc.) noch Mitglied der Band.

3. Glas konkav
4. Abfall/Garbage
Die erste (und einzige?) Single von Din A Testbild, 1979 im Selbstverlag herausgekommen:
COME OVER IT'S TIME 1979 80 DIN A TESTBILD LOVES YOU
aufgenommen in Berlin 11.10.1979;
abgemischt in Berlin, 17.10.1979.
Dank an Dr. Wolfgang Heinze!
Eine Produktion von Bürgerlich Productions, Berlin.
Auflage: 1000 Stück.
Nutty Normann bass, git, voc
Ian Wright synthesizers
Marc Eins voc, git, bass
Ralf Z. (Zimmermann) drums
Jürgen Rommeis (a.k.a Genee Romee) git, voc
Frank v.d.B. (von der Beek)> git, synthi
DIN = Abkürzg. f. Deutsche Industrie-Norm
A = erster Buchstabe d. Alphabets; Klassifizierzungskennz. industrieller Produkte
TEST = Prüfverfahren; i. d. Psychologie z. Feststellung von Kenntnissen, Fähigkeiten, Antrieben, Gefühlen
BILD = die Darstellung von Dingen auf einer Fläche; die Gesamtheit v. Lichtpunkten, die durch die Vereinigung von Strahlen entsteht, welche von den Punkten eines Gegenstandes durch ein System v. Linsen u. Spiegeln gehen.
Gedanken speichern sich in unseren Zellen als genetische Information. Ein spiralenförmiger Abdruck chemoelektrischer Umwandlungen im Nervensystem des Gehirns.
Elektronengehirne arbeiten sich Zug um Zug an die Weltspitze der Schachspieler heran. Industrieroboter - die Helden der Arbeiterklasse.
Mein Name ist eine Nummer ein Stück auf einem Plastikfilm. Ich bin die Stimme, die zu dir spricht. Hiroschima - wie schön es war.
Hiroshima. Hiroshima. Tokio!
Sex, Drogen, Millionen, TV
Überall ist Abfall.
1979 - und nichts ist okay.
But the map is not the territory and the word is not the thging itself. It is the totally of such identifications that create the neurotic and the insane induividual.
Realität - das ist die Anerkennung unseres Wahnsinnszustands. Keinen Schmerz mehr empfinden. Denn wir wollen testen.
Berlin, kurz von 1980.
Information in the English language.
Glas konkav - Concave Glass
Abfall - Garbage
Recorded in Berlin 11.10.1979
Mixed in Berlin 17.10.1979
Mixing concept Dr. Wolfgang Heinze
Produced by Bürgerlich Productions, Berlin.
Pressung of 1000 copies.
DIN = Deutsche Industrie Norm, German equivalent of British Standards Institute.
A = first letter of the alphabet.
TESTBILD = test picture.
Ian Wright's hair by SICK BOY
Marc Eins FIRTS LIGHT to the 4th dimension.
WINTER AND SUMMER
THE UNCLES
PUBLIC DEATH, PRIVATE MURDER
Zur Veröffentlichung der Single soll die Band auch in Hannover aufgetreten sein ….?

5. Die Siebziger
6. DNS Of Time
7. No Repeat
8. Urwald-Liebe
9. Age Is A State Of Mind
10. She's So Nice
Diese 6 Titel stammen von der Maxi-Single oder auch Mini-LP "Programm 1", erschienen 1980 auf der Klaus Schulze-Label Innovative Communication.
Vocals and Lyrics by Marc Eins
All music comp. & played by Genee Romee
Recorded at -IC- Studio, Winsen/Aller, September 1980.
Produced by Klaus Schulze and K D Mueller
Mixing by Klaus Schulze at his studio.
Dies ist meine zweite Erfahrung mit "New Wave" (die andere siehe IDEAL, KS 80.004). Aus dem 6-Mann-Chaos der frühen DIN A TESTBILD wurde bei Beginn der vorliegenden Aufnahmen ein gesundes und arbeitswütiges Duo.
Als ich zuerst von DIN A TESTBILD hörte, vernahm ich frische und neue Ideen, die durch das Chaos an Geräuschen klangen. Wir haben versucht, diese Frische und diese Ideen ohne den Müll drumherum herauszukristallisieren. Für mich war das eine neue Erfahrung, für die beiden jungen Musiker ebenfalls (?).
Übrigens kommt DIN A TESTBILD aus Berlin, genau wie ich. Und war in den 70er Jahren Berlin die Wiege der inzwischen weltberühmten deutschen Elektroniker, so hat es den Anschein, als würden die 80er etwas ähnliches für die neuen Musiker aus Berlin.
Klaus Schulze, Sept. '80

Der Review von Alfred Hilsberg aus SoundS 12/80 fast den Unterschied zwischen den ersten 4 Aufnahmen und der Mini-LP perfekt zusammen und ist so treffend, dass ich dem nichts hinzufügen möchte: "Es gab einmal eine Gruppe aus Berlin; sie machte, zu sechst, ganz experimentell, wild klingende, teils elektronische Geräusche. Sie hieß Din A Testbild. Mir liegt hier eine Platte vor mit dem gleichen Gruppennamen. Aber dieses perfekte, glatte Produkt hat mit den frühen Geräuschen nichts mehr zu tun. Klaus Schulze hat produziert, und so ist die Eigenständigkeit einem technisch hochstehendem, internationalen Sound-Standard gewichen. Nichts daran ist aufregend, lustig, fremd, schwer... Der Titel der Platte sagt alles: Programm 1. Von den frühreren Testbildern sind zwei übrig: Marc Eins und Genee Romee. Mit ist unverständlich, wie die beiden und die Ex-Mitglieder sich einen Cover-Text wie folgt gefallen lassen: ‚Aus dem 6-Mann-Chaos der frühen Din A Testbild wurde bei Beginn der vorliegenden Aufnahmen ein gesundes und arbeitswütiges Duo...vernahm ich frische und neue Ideen, ohne den Müll drumherum herauszukristallisieren...' Gezeichnet Klaus Schulze. K.S. rein, Chaos raus. Das wär's."
Zur Din A Testbild Discografie
(download)
Summary: Here are 2 files from records from Berlin from 1979 and 1980. First is the "KZ36"-LP, which is a live recording with 4 bands, the all female Ätztussis and Betoncombo from Berlin and Blitzkrieg and Kondensators from Hannover. This is classic angry and politically left-wing punk, not punk rock. Remember, these were the times when Berlin was surrounded by The Wall and Berlin was a magnet for all kinds of drop-outs from West Germany, like David Bowie and Iggy Pop. Marc Eins was a waiter serving tea for both of them and forming the band Din A Testbild together with Gudrun Gut, who later became notorious with Mania D and Malaria. I put together all the stuff I know from the early incarnations of Din A Testbild and they are pretty diverse. The first 2 tracks are live recording from 1978 and 1979, then there are the 2 tracks from their one and only 7"-release. These tracks demonstrate the wild experimental sound of the original band. Soon after the single the band was reduced to a duo and produced by Klaus Schulze (ex-Tangerine Dream), who was definitely one of the most hated boring old farts. And the record "Program 1" shows why: its pretty dull and uninspired sequenzer stuff. Like Schulze described it in the liner notes: "When I first heard Din A Testbild I noticed new and fresh ideas coming through a chaos of noises. We tried to seperate the new ideas and the freshness from the surrounding garbage." Which was a BIG mistake, because the garbage of sound was the main achievement of the band. And that is the connection with the bands from the KZ36-LP.