28.4.26

Hollow Skai ... und dann kam Punk

Kurz nach dem Podcast mit meinem ehemaligen Mitmusiker entdeckte ich, dass in der gleichen Podcast-Serie auch Hollow Skai eingeladen wurde, als Teil seiner Promotion für das "Hey Ho, Let's Go!"-Buch. Dass Hollow uns auf dem verwendeten Portraitfoto den Mittelfinger entgegenstreckt finde ich nicht so prall, auch war der Podcast bezüglich der mich interessierenden Aspekte der hannoverschen Punk-Historie nicht sehr ergiebig. So möchte ich mich auf ein paar wenige Anmerkungen beschränken.

Interessanterweise nimmt die Diskussion, ob Hüsker Dü in Hannover aufgetreten sind - so wird es in dem Buch berichtet - oder nicht, doch einigen Raum ein. Laut einem der Interviewpartner waren aber nicht Hüsker Dü, sondern Nig-Heist die Vorgruppe von Black Flag am 10.6.1984 in der Kornstraße, auch wenn Hüsker Dü auf den damaligen Tourneeplakaten auftaucht (im Internet kann man hier, hier und hier mehr dazu lesen).

An anderer Stelle fiel der Name "Süßkind" als angebliches Mitglied von Der Moderne Man. Tatsächlich aber war er Bassist bei Kosmonautentraum und Melodica-Spieler auf der "Subnarcotic"-LP der 39 Clocks (und auf der "Ach Hannover"-MC wirkte er bei Die Unsichtbaren Hand mit).

Dass ich mal im Muzak geschrieben hab, dass Hollow Skai Haarsausfall hat, daran konnte ich mich nicht erinnern, Stimmt aber, im Heft 5 von 1979 zeigt eine ganze Seite Fotos vom (einzigen?) Auftritt von Tiny Trash Und Die Neue Welt (mit E.A. Wehmer am Schlagzeug, Mattus am Bass und Locke an der Gitarre, Fotos von Andreas Kühne) - und dazwischen in ausgeschnittenen Buchstaben "SCHRECKlich! hollow SkAI HAT haarausFall!". Bei einem kurzen Scan durch mehrere Muzak-Ausgaben entdeckte ich auch wiederholte Nickeligkeiten meinerseits in Bezug auf Hollow/Holger Postscheck - ich vermute das beruhte ursprünglich auf einer Anmerkung im No Fun, dass Muzak ein No Fun-Abklatsch sei. Ich glaube, dass müssen wir beide mal therapeutisch aufarbeiten.

Ansonsten hätte mich eine Erwähnung des ersten No Fun-Festivals von Ende 1978 gefreut. Und wann die Ton-Cooperative Hannover ihr Studio in der Kornstraße hatte müsste ich mal nachforschen, ich kenne nur den Standort in der Hildesheimer Straße. Und angefangen hat die TonCoop laut discogs in Barsinghausen, obwohl die erste Kontaktadresse Hudeplan 12 in Hannover-Borum war.

25.4.26

Rudi Grimm ...und dann kam Punk

Dass Rudolf Grimm, Gitarrist bei Bärchen und die Milchbubis, sich noch mal ausführlich zum Thema Punk in Hannover äußert, hat mich überrascht, aber tatsächlich ging es in dem Podcast in großen Teilen auch um seine wissenschaftliche Karriere und Physik (dazu kann ich nur den Hinweis auf das legendäre Pechtropfexperiment beitragen).

Was meine gemeinsame Geschichte mit Rudolf betrifft, so war einer unserer damaligen Kunstlehrer ein gewisser Burkhard Inhülsen, Bruder von Harald inHülsen(Musikjournalist und Gründer des deutschen Iggy Pop-Fanclubs) und Gründer des Schülerfilmfestivals. Im Kunstunterricht machten wir je Semester ein Projekt und das erste gemeinsame Projekt mit Rudolf und Andreas Kühne sollte eine Fotodokumentation über Punk in Hannover sein. In diesem Zusammenhang waren Rudolf und ich auch Ende 1978 beim ersten No Fun-Festival im JZ Colloseum in Badenstedt, wo neben Rotzkotz und Hans-A-Plast (damals noch als Quartet) auch Schleim aus Braunschweig und Katapult aus Berlin aufgetreten sind. Wie das Kunstprojekt-Ergebnis aussah erinnere ich mich nicht, aber es gibt noch Interview-Aufnahmen mit Micha Polten und Hollow Skai aus der Zeit (Links in Brotbeutel). Hans-A-Plast probten damals im Keller vom Noltehaus am Holzmarkt neben dem Historischen Museum, Schauplatz legendärer Konfrontationen der 39 Clocks mit Otto Mühls AAO-Kommune.

Es kann aber auch sein, dass der Probenkeller im Haus daneben war, denn das von Rudolf erwähnte Leibnizhaus wurde erst ab 1981 neben dem Noltehaus errichtet und ist eigentlich ein Neubau mit der rekonstruierten Originalfassade. Rudolf und Andreas waren damals Elektronik-Nerds (daher auch die im Muzak Nr. 6/79 eingeklebten Kondensatoren in Anspielung an Konrad Kittners Band Kondensators) und auch Fotografen mit eigener Dunkelkammer. Leider hat Rudolf laut eigener Aussage seine damaligen Fotonegative entsorgt, aber einige Abzüge haben in den Vorlagen für mein Muzak-Fanzine überlebt. Ob Andreas noch Fotonegative aus der damaligen Zeit hat müsste ich mal nachfragen.

Das nächste Kunstprojekt war der Super-8-Film "Die sinnvolle Freistunde" und der bestand aus 2 Teilen, zum einen ein Gang zum Bäcker in der Waldstraße, wo Rudolf und Andreas immer eine Tüte mit Rändern von Zuckerkuchen-Backblechen in der Schulpause kauften, das Ganze unterlegt auf der Tonspur mit "Fodderstomp" von PIL. Die andere Hälfte des Films bestand aus Aufnahmen aus dem damaligen Hans-A-Plast-Übungsraum in Lister Gewerbegebiet, wo TBC auch proben durften, dazu auf der Tonspur "Hurry Up Harry" und "Sunday Morning Nightmare" von Sham 69. Ich habe den Film mal digitalisieren lassen, aber da war die Überspielung zu schnell (24 statt 18 Bilder je Sekunde, aber das ist generell das Problem von vielen historischen Filmdokumenten im Fernsehen). Den Übungsraum hatte übrigens Andreas über seinen Stiefvater organisiert, der glaube ich ein Taxiunternehmen betrieb.

Schallplatten von englischen Punkbands waren über die verschiedenen Plattenläden in Hannover leicht zu kriegen, deutsche Produktionen, wenn sie nicht gerade bei der Industrie erschienen wie Nina Hagen und Straßenjungs, eher nur zufällig.

Unsere erste Band TBC haben wir wohl Anfang 1979 gegründet, und damals waren wir zu viert, ich am Bass und Gesang, Rudolf Gitarre und Andreas Schlagzeug, sowie Peter Danos ebenfalls an Bass und Gesang. 2 Bassisten?! Genau! Peter war allerdings 1 Jahrgang über uns und eigentlich hatten wir außerhalb der Schule keinen Kontakt mit ihm. Der erste Auftritt von TBC war am 28.4.1979 in der Bambule in Braunschweig zusammen mit Hans-A-Plast und Bombed Bodies (Vorläuferband von Daily Terror). Dann gab es einen Spontanauftritt im 15.9. in der Kornstraße nach den Bombed Bodies - was damals durchaus üblich war, dass Mitglieder aus dem Publikum spontan zu den Instrumenten der Hauptband greifen durften. Dann gab es den Auftritt zusammen mit Hans-A-Plast, Riot Squad (aus Braunschweig) und Tiny Trash Und Die Neue Welt wieder in der Bambule in Braunschweig am 13.10.. Ein weiterer Auftritt in der Kornstraße am 20.10. fand aber nicht statt, weil im Pavillon jemand die Toiletten demoliert hatte (das Konzert war ursprünglich als der 2. Teil der dreiteiligen Konzertreihe "Die Zukunft hat einen Namen" geplant, der erste Teil fand am 15.9. im Raschplatz-Pavillon mit Rotzkotz, Montego Bay, Kaltwetterfront und Hans-A-Plast statt, in der Korn sollten neben uns noch Kondensator's, Neon Beat und Cretins auftreten, und für den dritten Teil Anfang November mit Blitzkrieg, Deutschland, 39 Clocks und Bombed Bodies stand der Ort noch nicht fest). Vom 13.10.79 soll es einen Videofilm geben als Uni-Projekt von Bettina und Renate von Hans-A-Plast - noch eine Aufgabe zum recherchieren.

Wie die Zusammenarbeit mit Peter Danos war kann ich nicht genau sagen, ob er bei allen Gigs dabei war ist unklar (Aufnahmen im Freizeitheim Vahrenwald haben wir zu dritt gemacht - kein Gesang), aber nach seinem Abitur wollte er glaube ich Mediziner werden. Jedenfalls löste sich TBC zum Jahresende irgendwie auf. Über das Fillmore List, die Stammkneipe von Hans-A-Plast, kamen dann Rudolf und Andreas in Kontakt mit Annette Grotkasten und wir fingen wieder an Musik zu machen in einem Garagenhof an der Podbi (lustigerweise hatten TBC es am Anfang auch mal der Freundin eines Klassenkameraden als Sängerin versucht). Meine Liste verzeichnet 6 Auftritte mit Annette, bevor ich ausstieg, weil mir die ZVS einen Studienplatz in Erlangen zugewiesen hatte. Für den Ausstieg kassiert ich von Annette eine Ohrfeige. Die Auftritte waren mit Hans-A-Plast am 15.4.80 in einem besetzten Haus in Offenbach, 2 Tage später im BeBop in Hildesheim (es soll ein Video davon geben), am 30.4. bei "Tanz in den Mai" in Recklinghausen (dort wurde der erste Autogramwunsch an mich herangetragen, was ich natürlich ablehnte von wegen No More Heroes), einen Tag später in der Kornstraße zusammen Eisland (wer immer das auch gewesen sein mag). Am 6.6. war dann der Auftritt auf dem Schulfest der Leibnizschule, wovon es eine Aufnahme gibt (Hallo Thomas Buch!), und am 12.6. waren wir auf einem Fest an der FH Münster. Der Bandname Bärchen und die Milchbubis soll übrigens von Annette Benjamin erfunden worden sein. Und die EP war übrigens eher ein Wunsch von No Fun Records als von uns, Hollow Skai und Hans-A-Plast hatten auch den Nordstadt-Chor auf dem Titelsong organisiert. "Vendetta" und "Sid (k)lebt" waren 2 Stücke von mir, aber "Jung kaputt..." ist nicht mein Lieblingssong. Allerdings war die EP ein wundervolles "Fuck You!" an die ganzen anderen Mitschüler, die sich an "Layla" von Eric Clapton (ja, ich weiß eigentlich Derek and the Dominos) abgearbeitet haben (Hallo Frank Perrey), aber wir Dilettanten haben schon eine eigene Schallplatte während ihr zwar spielen könnt, aber im Übungsraum verstaubt!

Interessant fand ich die Frage nach der Dynamik in der Band. Ja, es gab da schon einen gewissen Machtkampf zwischen Annette und mir (es gab da dieses Bass-Intro, dass ich gelegentlich sehr lange ausdehnte), aber dass ich es nicht lange in der Band ausgehalten hätte würde ich nicht sagen. Mit einem Studienplatz in Hannover wäre ich nicht ausgestiegen, andererseits darf ich anerkennen, das mit Kai Nungesser die Band musikalisch einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht hat . Auf der LP ist noch die Musik von "Manager" von mir und das verdeutlicht den Unterschied zwischen mir und Kai doch deutlich.

Ob die Band am Ende orientierungslos war vermag ich nicht zu sagen, einiges von den späteren Aufnahmen, die auf der "Schatzgräber"-MC (ein Bootleg von mir, keine offizielle Veröffentlichung) versammelt sind, finde ich interessant. Aber irgendwie klingt es auch so, als ob die Band mit der LP ihr Pulver verschossen hatte.

22.4.26

Keine Lösung für Palästina

  • Iran, Hamas, Hisbollah und Huthi wollen die Vernichtung von Israel. Aber Israel ist nicht bereit, sich einer zweiten Shoa kampflos zu fügen.
  • Israel möchte Hamas und Hisbollah vernichten, aber auch wenn man Menschen tötet, die Ideen von Hamas und Hisbollah lassen sich nicht ausradieren, genauso wie auch heute noch Menschen Hitler und den Nationalsozialismus verehren.
  • Hamas und Hisbollah (sowie Iran und Huthi) können keinen Frieden mit Israel schließen, auch wenn es zu einer territorialen Einigung käme (2-Staaten-Lösung), weil sie damit ihre einzige Legitimation für ihre Existenz aufgeben würden.
  • Israel kann keinen Frieden schließen, weil Frieden territoriale Zugeständnisse verlangen würde, also die Aufgabe bisher besetzter Gebiete.
  • Eine Ein-Staatenlösung würde die Aufgabe besetzter Gebiete vermeiden, aber zu einem Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen mit gleichen Bürgerrechten zwingen. Dies erscheint angesichts der wechselseitigen Erfahrungen seit 1948 und des erheblichen Anteils von Extremisten innerhalb der beiden größten Bevölkerungsgruppen (Juden und Muslime/Araber) unrealistisch.
  • Der Versuch der Vertreibung des jüdischen Bevölkerungsanteils würde zu einem militärischen Konflikt führen, der nicht nur die angrenzenden Staaten katastrophal im Mitleidenschaft ziehen würde. Zudem versteht sich Israel als Heimstatt aller Juden, es gibt keine andere Region auf der Erde, die historisch einmal einen jüdischen Staat beheimatet hat, und somit als ein Israel 2.0 sowohl von Juden als auch dem Rest der Welt akzeptiert würde.
  • Eine Vertreibung des arabischen Bevölkerungsteils wäre denkbar, wenn die benachbarten Staaten (Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten) ihre Weigerung, palästinensische Flüchtlinge zu integrieren, aufgeben würden. Eine Integration wäre allerdings schwer vorstellbar angesichts der teilweise selbst verschuldeten historischen Erfahrungen von Libanon und Jordanien, wo die Anwesenheit von palästinensischen Flüchtlingen zu massiven gesellschaftlichen Konflikten führte. Eine Vertreibung in andere Weltregionen ist aus den gleichen Gründen undenkbar wie dies bei einer Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus Israel wäre.
    Zudem würde eine solche Vertreibung (euphemistisch Umsiedlung) zu einer langfristigen Befriedung nur im Zusammenhang mit einem umfassenden Aussöhnungsprozess funktionieren, der sowohl die Shoa als historisches Fakt, als auch die Erfahrungen der Palästinenser seit Gründung des Staates Israel akzeptiert. Eine vergleichbare Aussöhnung nach dem zweiten Weltkrieg hat nur funktioniert, indem (West)Deutschland die totale militärische Niederlage sowie die Schuld am zweiten Weltkrieg akzeptiert hat. Allerdings ist eine Vertreibung der arabischen Bevölkerung nur unter massiven militärischen Einsatz vorstellbar, was alle Voraussetzungen für eine wünschenswerte Aussöhnung untergraben würde. Solange sich Juden und Muslime/Araber jeweils als Opfer und nicht als Täter (die Leiden der Väter und Mütter rechtfertigen nicht die Taten der Söhne und Töchter) verstehen ist eine Lösung des sogenannten Nahost-Konflikts nicht denkbar.

12.4.26

Landschaft


...Foto gefunden auf der Straße, beschädigt (zertreten) ...