12.8.07

Westdeutsche Christen


Wie die Caprifischer standen die Westdeutschen Christen schon seit längerer Zeit auf meiner to-do-Liste. Die Band kam aus Berlin Kemnade bei Bodenwerder und veröffentlichte eine Maxi-Single über Heinos Scheissladen, die ich wieder verkauft habe, weil sie unorganisierter punkiger Rock ohne Anfang und Ende und erkennbare Songstrukturen war. Ihre LP auf Good Noise fand ich aber klasse, weil sie für mich das deutsche Äquivalent zu Joy Divisions "Closer" ist und einen ähnlichen unfertigen Charme hat. Beim Recherchieren nach weiteren Informationen zu der Band stieß ich allerdings auf eine Plattenkritik aus SoundS vom Juli 1982 und danach scheint es sich eher um den tragischen Fall einer Band zu handeln, die nie gewusst hat, was sie eigentlich machen will, und alle 5 Minuten ihren Stil änderte - was aber nichts an der Größe ihre LP ändert. Wie immer interessiert mich Eure Meinung dazu.

Westdeutsche Christen
Good Noise
Von Thomas Buttler
Mein Vorschlag: Erst die Platte hören, dann die Band live ansehen. (Nächste Möglichkeit im September.) Auf keinen Fall anders vorgehen. Die Band hat sich inzwischen selbst überholt und dabei stark verbessert. Man wird insofern angenehm überrascht.
Das Album, im Februar entstanden, ist eigentlich nicht mehr als eine kurze Momentaufnahme. Anklänge zu heute sind zwar vorhanden, aber noch nicht ausgebaut. Vor allem Sänger Michael Cholewa singt merkwürdig nachlässig, fast daneben und beinah störend nach vorne gemixt. Immerhin läßt die musikalische Grundstruktur bereits deutlich die Stärken und Vorlieben der Band erkennen. Drive, Kraft und ungeheure Dynamik. Die Westdeutschen Christen kommen mit ihrer Platte zu einer Zeit auf den Markt, in der es äußerst riskant ist, überhaupt noch Mühe, geschweige denn Geld in eine unpoppige, sprich nichtkommerzielle neu-deutsche Produktion zu stecken. Das Album der Christen ist ein nichtkommerzielles. Das Dilemma dabei ist: hätten die Christen drei Monate mit der Aufnahme gewartet, wären sie heute die schärfste Funk-Band der deutschen Welle. Auf Platte und live. So sind sie es nur auf der Bühne. Es gibt dennoch zwei Nummern, "Monoton" und "Leiden", die einen guten knalligen Eindruck machen und höchstens die unangenehme Frage aufwerfen, ob Funk nicht bis zur nächsten Platte der Christen Schnee von gestern ist. Ich denke, die Antwort kann ich mir hier sparen. Die Christen hätten sich Zeit lassen sollen. So sind die guten Ansätze zu einer modernen Band erstmal in den Sand gesetzt.


Westdeutsche Christen
Ich möchte mit dir tanzen / Ich höre deine Schritte / Das Schöne im Leben / Spielende Kinder // Endzeitlust / Monoton / Leiden / Ich schau mich um / Liebeslied
Thomas Cholewa - Gitarre / Michael Cholewa - Stimme, Piano / Ekkehard Nax - Bass / Karsten Thorwald - Synthesizer / Michael Kern - Schlagzeug / Produziert von Manfred Schiek und Gerd Peeckel / Mischung von Frank Osterland und Harris Johns
Good Noise VGNS 2009, LP, 1982 (download)

Translation: Without many words: this is the German equivalent to Joy Divisions "Closer"! If you (dis)agree I'd like to see your comments!


Update 5.1.2021: Herkunft der Band berichtigt (Danke an Toky und Anonym)

17 Kommentare:

Jörg hat gesagt…

Ich habe die 81-82 mal in der Markthalle im Vorproramm gesehen, evtl. Siouxsie 81 HH, muss mal meine Fotos durchsehen, war ein ganz schönes dynamisches Konzertfoto.

Anonym hat gesagt…

Hamburg? AFAIR haben wir da vor DAF gespielt.

Anonym hat gesagt…

The similarities to Joy Division are obvious, yet I personally prefer the division sound. A great NDW gem although. Dankeschoen for posting!

Anonym hat gesagt…

schade...der dl-link funktionuckelt nich mehr... ich hoffe darauf das du so nett bist und eines tages das mal auffrischst... falls nich, dann haben wir alle pech :D :/ ;)

martinf hat gesagt…

it's up again :-)

Anonym hat gesagt…

hurra!! (:

mensch, dein blog is wunderbar...
ich frag mich wieviel deiner zeit da drauf geht...uff.

ps. ich habe noch einen kompletten livemitschnitt von palais schaumburg aus appeldoorn..noch mit hiller. qualität einwandfrei, wurde wohl richtig "professionell" aufgenommen. vllt interessiert?

martinf hat gesagt…

eigentlich geht ZUVIEL zeit für den blog drauf, aber einen professionellen mitschnitt von ps höre ich mir immer gerne an :D

Anonym hat gesagt…

hab den ma bei rapidshare hochgejagt... hier, bitteschön:
klick mich
was ich interessant finde ist das hiller bei dem konzert schon "herzmuskel" dargeboten hat... in einer recht spannenden version.. oder wie auch immer ich das ausdrücken soll. haha. typisch, alle stücke sind hier kränker als eh schon. meine lieblingsstelle: das epileptische psycho-geheule in "ahoi, nicht traurig sein". köstlich.

Anonym hat gesagt…

Was für ein grandioses Album! Vielen Dank auch fürs zur Verfügung stellen. Joy Divisions "Closer" finde ich als Messlatte zwar etwas zu hoch, auch weil es das ausgefeilteste JD-Album ist, während hier Debütanten am Werk waren, aber den ganzen Tag schon hör ich nichts anderes und bin entzückt. Nicht die erste großartige Entdeckung in diesem außergewöhnlichen Blog.

Toky hat gesagt…

Berlin ist gut. Aus Rühle bei Bodenwerder(Hameln) kamen die. Hatten sich wohl geschämt dafür das sie aus einen Kuhdorf gekommen sind.

Anonym hat gesagt…

verdammt verdammt, es geht kein link mehr............könnte mir hier eine bitte mal was gutes tun und einen link posten der geht`??

in demütigender haltung..
gruß
atomic

Anonym hat gesagt…

...leider funktioniert der Link zu Palais Schaumburg in Apeldoorn nicht nicht mehr. Lässt sich da was richten, oder müsste man sich an Frau Scalpel selbst wenden?

Anonym hat gesagt…

...leider funktioniert der Link zu Palais Schaumburg in Apeldoorn nicht nicht mehr. Lässt sich da was richten, oder müsste man sich an Frau Scalpel selbst wenden?

Carsten hat gesagt…

Der blonde Sänger trieb sich mal eine zeit lang im Hotel am Klagesmarkt herum.

Anonym hat gesagt…

Arrgh, der Link funktioniert nicht mehr. Bitte wieder einrichten. Brauche diese Musik (auch um mein Umfeld damit zu ärgern). Danke.

haggybear hat gesagt…

Ein guter Artikel zur Band!

http://www.dewezet.de/portal/startseite_Mit-viel-Haarspray-und-Kajal-durch-die-80er-_arid,240786.html

Anonym hat gesagt…

Die Band kam nicht aus Berlin sondern Kemnade bei Bodenwerder. Hab einmal einen halben Song Live gehört, dann wurden sie in Hannover von der Bühne geholt auf einem Punk Festival. Haben null auf die Reihe bekommen.