15.8.06

Internet-Tagebuch mit Katzenbildern

Laut Duden handelt es sich bei einem Weblog um ein "Internet-Tagebuch mit Katzenbildern". Wieso gerade Katzenbilder? Etwa solchen?

14.8.06

Inzucht & Ordnung


Über diese Single ist nicht viel bekannt außer dass es sich um die Nachfolgeband des Sängers von No Horizon handelt, was auch deutlich zu hören ist. Musikalisch ist die Single vielleicht direkter, weniger Lou Reed-Einfluß, aber immer noch viel zu zickig für Razors- und SS Ultrabrutal-Fans.

Inzucht & Ordnung
"Irrenanstalt" / "Aussichtslos"
(p) 1980, ZickZack ZZ 9, Single
(download)

Summary: After the No Horizon-12" the singer Jan made this single through Alfred Hilsbergs ZickZack-label, but it's still much too quirky for listeners of Hamburg-hard-core-punks Razors- und SS Ultrabrutal.

12.8.06

No Horizon


Ich mag diese Platte der exaltierten Kieler Proto-Punks. Vermutlich alte Krautrocker/Hippies, die nach Genuss von Punk-Platten auch mal "durchdrehen" wollten, so wie The Pack aus München, aber ohne deren konventionellen Rock-Sound, sondern schneller/kratziger/flippiger mit einem der wenigen Menschen der ndW, der auch wirklich Saxophon spielen kann. "Princess of my burning neon nights" hat einiges von "House of the rising sun" geborgt. Leider habe ich keine weiteren Informationen über die Band außer dass der Sänger später bei Inzucht & Ordnung sang. Gruppen wie No Horizon werden gerne in der deutschen Punkgeschichte verschwiegen, aber ohne diese Pioniere, die bereits vorher in anderen Bands gespielt, aber sich ein offenes Ohr für neue Ideen bewahrt hatten, wäre Punk in West-Deutschland nie explodiert. Außerdem klingen weniger verzerrte Gitarren aggressiver als ultraverzerrte. Stratocaster und Telecaster sind die echten Punkgitarren, Les Paul ist einfach nur Rock. Haben die Ramones je Les Paul gespielt? Wollten die Sex Pistols je als Punk bezeichnet werden? Denkt mal drüber nach.

No Horizon
Zu lange" / "Princess of my burning Neon Nights" // "Shubab" / "Live is not Pink"
Jan voc. / Aga g. / Max Meir sax. / Andy (bg?) / Akim Ju dr.
(p) 1980, Konnekschen KON MS1, Maxi-Single
(download)

Summary: I know next to nothing about this group except that they came from Kiel in Northern Germany. They only released 1 record. I really like their enthusiasm and the combination of musicianship and their wicked idea of punk. No Horizon are one of those punk pioneers in Germany that were often overlooked by punk dogmatists. Less distorted guitars sound more aggressive that sonically distorted ones. Stratocasters and Telecasters are the real punk guitars, Les Pauls are just plain rock. Did the Ramones ever play Les Pauls? Have the Sex Pistols ever likes to be categorized as punk? Think about it.

7.8.06

Kommunalpolitik - Die ewige Opposition

Das Irritierende an der Plakaten der CDU ist, dass jeglicher Bezug zu Hannover fehlt.




Diese 3 Großplakate sind zudem Blödsinn, weil effektive Arbeitsmarktpolitik Bundessache ist, das meiste Geld für Wirtschaftsförderung wird von Bund und Ländern bewegt, die Kommunen können da nur im geringen Umfang tätig werden. Sicherheit ist sowieso Ländersache, die Polizei braucht sich nichts von kommunalen Würdenträgern sagen lassen. Und Bildungspolitik ist ebenfalls Landessache, auch wenn der Bund bei den Universitäten kräftig mitfinanziert. Will die CDU die Kommunal-Wähler mit diesen Plakaten für dumm verkaufen?


“Wir sind Niedersachen” klingt wie eine Bildzeitungsschlagzeile, aber wieso sind wir nicht Hannover? Will die CDU hier nicht gewinnen? Ansonsten: inhaltliche Aussage gleich Null.


“Herzlich. Fähig. Geradeaus.” Ob die 3 Eigenschaften ausreichen, auch nur einen Schützen- oder Kleingärtnerverein zu führen? Herzlich zu wem? Fähig wozu? Etwa zu allem, also auch Untreue und Abzocken?! Und Geradeaus - wohin?


Achtung, Toepffer sagt nicht etwa “Zukunftstechnologie”, er würde also auch Atomkraft und Waffenfabriken ansiedeln, Hauptsache es gibt Arbeitsplätze.


Es ist langweilig mich zu wiederholen, aber noch mal: Bildungspolitik ist Landessache, nicht Aufgabe der Kommunen.


Generation verbinden zu wollen heißt doch im Klartext, dass Herr Toepffer niemanden verprellen will, weder die Familien noch die Rentner. Und was bitte ist der Maßstab für sein soziales Handeln? “Sozial” ist doch genauso wie “gerecht” zu einer Worthülse geworden, die keinen konkreten Inhalt mehr hat.


Sich mit dem Ministerpräsidenten zusammen ablichten lassen ist immer gut, vielleicht färbt sein Image ja auf Toepffer ab. Das Plakat kann aber auch so verstanden werden, dass Toepffer nicht genug eigenes Standvermögen hat und daher Hilfe von oben braucht. Oder die auch als versteckte Drohung: Hannoveraner, wenn ihr falsch wählt wird die Landesregierung der Stadt Knüppel zwischen die Beine werfen.


Mutig verzichtet der CDU-Kandidat für den Regionspräsidenten auf jeglichen Slogan auf seinem Plakat, sogar auf einen Hintergrund, so dass dieses Plakat eigentlich überall in Deutschland stehen könnte. Zudem zeigt er eine aggressive Körperhaltung und einen Blick am Betrachter vorbei - Bürgernähe legt das nicht nah, eher technokratische Rechthaberei.


Besonders glücklich sieht Dr. Matthiesen auf dem Plakat neben dem Ministerpräsidenten nicht aus. Und das Wortspiel mit seinem Vornamen Max ist noch schlechter als das Wortspiel der SPD mit dem Namen Weil.

6.8.06

Quick Culture


Quick Culture waren wohl nie eine richtige Band, sondern nur ein Studio-Projekt. Wie viele andere auch sind die Beteiligten durch das Tor gegangen, dass die Deutsch Amerikanische Freundschaft geöffnet hat: die Entdeckung des Rhythmus, über den dann kleine Melodiekürzel so wie im Funk üblich geschichtet werden. Die Entwicklung ist offensichtlich, wenn man Quick Culture mit den zeitlich früheren Aufnahmen Tom Dokoupils mit Wirtschaftswunder und den Siluetes 61 vergleicht.
Peter H. Boettcher schreibt in Spex 12/82: "Weniger antiquiert und kaum nostalgisch behaftet... (...) Will man sie vergleichen, dann würde ich sie in die Nähe von Cabaret Voltaire rücken, allerdings ohne deren Biß/Subversivität und ohne deren Gespür für (Anti-) Melodien, und in die Nähe von 23 Skidoo, allerdings ohne deren kompromisslose Rhythmik. (...) Die Platte braucht Zeit; man muß intensiver hören, am Besten sollte man sie dabei noch sehen (wann?). Etwas für Liebhaber; etwas für Rhythmik-Freaks."
Dagegen schreibt Konrad Schnabel in Sounds 12/82: "Quick Culture kommen dagegen schwerer in meine Gehörwindungen. (..) Die Klangkompositionen sind (...) künstl(er)i(s)ch verquollen und oft unscharf. Der pointierte Einsatz von Saxophon und Steeldrum rettet allerdings das Zuviel von Vocoder und Synth-Programmierungen vor dem düsteren Morgengrauen. (...)"
So schlecht würde ich diese Platte aber nicht machen wollen, obwohl ich die Platten von Mau Mau doch vorziehen würde, die sind minimaler und haben mehr Gitarre. Mutterfunk liegen auch gleich nebenan.

Quick Culture
"Ich will nicht totgehn heute nacht" / "Quick Culture 1" / "Hühnchens" // "Bahama-Kosaken" / "Quick Culture 2" / "Sister"
Rosita Blissenbach: Bass, Sax(5), Stimme / Tom Dokoupil: Gitarre(2+6), Programmierung, Sax(1), Trompete(4+6) / Andreas Hoppmann: Sax(1+4) / Albrecht Koch: Gitarre(1,3,4) / Detlev Kühne: Gitarre(2,3,5), Stimme, Vocoder, Tasten / Andreas Terhoeven: Percussion(1,2,4), Schlagzeug(1,3,4), Steeldrum
Aufgenommen im STUDIO61, Limburg-Diez und im TAIWAN-STUDIO(2b+5), Köln / Abmischung: Tom Dokoupil und Detlev Kühne im STUDIO 61 Juli-August '82 / Produziert von Detlev Kühne für 46 records, lizensiert von Paradoxx-Records Pa 5000, (p) 1982, Maxi-Single
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Summary: Quick Culture is a studio-project from Cologne with Tom Dokoupil from Wirtschaftswunder and Siluettes 61. The sound of Quick Culture is very rhythmic with some melodic bits and can be compared to Cabaret Voltaire and 23 Skidoo.

3.8.06

Kommunalwahl 2006 – Lasst uns (nicht) über Gott sprechen

Stadtkind ist ein Hannover-Magazin, dass es seit gut einem Jahr gibt. Im Gegensatz zu Prinz und Schädelspalter ist es sehr kultur-orientiert, soll heißen hier gibt es keine Textbröckchen, sondern seitenlang Dilettanten-Journalismus im Sinne von Dilettant gleich Liebhaber ohne professionellen Zynismus. Dafür hat Stadtkind kein Layout – und die CD-Besprechungen sind auch nur gesampelte Promotexte ohne tiefere Reflektion. Politik findet eher weniger statt, es sei denn Wahlen stehen an. Deshalb hat die Redaktion einen Fragebogen an die 5 Kandidaten für die Nachfolge von Oberbürgermeister Herbert “100 Jahre” Schmalstieg, sowie an den Chef der FDP (die keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat, um dem CDU-Kandidaten keine Konkurrenz zu machen) gestellt. Das Ergebnis? Erschreckend! Auf die Frage “Glauben Sie an Gott?” antworten alle mit ja! Die grüne Kandidatin faselt irgendwas von “spirit” und bestätigt damit alle bösartigen Vorurteile über Hippies und Ökos, der Kandidat des SPD-Ablegers “Bündnis für soziale Gerechtigkeit”, antwortet “Ja, war aber nicht immer so”, was bedeutet, dass er als Erwachsener erneut zum Glauben gefunden hat, und ein Hinweis auf beginnenden gefährlichen christlichen Fundamentalismus sein könnte. Ganz schlimm aber der Kandidat von WASG/Linkspartei, der auf die Bergpredigt verweist und sich zudem noch als Freimaurer outet. Leben wir in Zeiten der Re-Christianisierung, dass sich keiner mehr öffentlich traut zuzugeben, dass ihm Gott egal ist oder er gar nicht an seine Existenz glaubt, weil er sich sonst soziale Nachteile einhandeln würde? Und wie groß ist der soziale Druck auf Politiker, dass sie es nicht wagen, die Antwort auf eine solche private Frage einfach zu verweigern? Offenbar ist Religion in Deutschland keine Privatsache mehr trotz der im Grundgesetz festgeschriebenen Trennung von Kirche und Staat. Oder um es provozierend überspitzt auszudrücken: alle 6 Befragten haben sich mit ihren Antworten auf die Frage nach dem Glauben an Gott als potentielle Verfassungsfeinde geoutet, die im Falle von Konflikten eher die Bewohner von Hannover als ihren Glauben verraten würden. Der Stadtkind-Fragebogen hat noch 19 weitere Fragen, die u.a. nach Treue, persönlichen Ängsten, türkischen Freunden und Punkten in Flensburg fragen, also alles Fragen zum Privatleben der Kandidaten, die den Wähler eigentlich nichts angehen. Warum macht die Redaktion von Stadtkind das? Sind sie unpolitisch und doof? Dafür sprechen u.a. die Fragen “Ist Deutschland ein Einwanderungsland?” und “Wie sinnvoll sind Einbürgerungstests?”, weil politische Entscheidungen zu diesen Fragen auf Bundes- und Landesebene zu fällen sind, aber nicht auf kommunaler. Und die Frage “Sind 17 Minuten ein Streikgrund?” macht sich einen einseitigen populistischen Kampfbegriff aus einem zurückliegenden Arbeitskonflikt zu eigen, der für die zukünftige Gestaltung von Hannover keinerlei Relevanz mehr hat. Überhaupt: ist die Kommunalpolitik in Hannover eigentlich nur noch langweilig und konfliktfrei? Denn Fragen nach den zukünftigen Gestaltung von Hannover fehlen vollständig. Die Mehrzahl der Fragen an die Politiker ist rein privat und unterbewusst liegt dahinter der Glaube, dass ich demjenigen Menschen mehr Vertrauen entgegenbringe, dem ich mich sozial näher fühle als einem Menschen aus anderen sozialen Schichten oder ethnischen Gruppen (die Theorie entstand bei der Untersuchung der Frage, warum Menschen mit Arbeiterklassenhintergrund trotz hoher Qualifikation so selten in den Führungsetagen deutscher Unternehmen zu finden sind und erklärt damit auch, warum Menschen aus unteren sozialen Schichten (Joschka Fischer, Gerhard Schröder) eher eine Karriere in der Politik anstreben). Ob diese Art von Vertrauensvorschuss richtig ist wage ich zu bezweifeln, jedenfalls trägt ein solcher journalistischer Ansatz dazu bei, politische Konflikte zu personalisieren anstatt zu versachlichen. Das Ergebnis ist eine zunehmende Entdemokratisierung der Gesellschaft und stattdessen Ausrichtung auf das Führerprinzip. Die Stadt-Redaktion hat sich jedenfalls als Teil der großen Kampagne zur Entpolitisierung und Verblödung der deutschen Bevölkerung entlarvt. Nachtrag 28.8.: Warum die Redaktion nicht auch den unabhängigen Kandidaten Karl-Heinz Siemer befragt hat entzieht sich meiner Kenntnis, vermutlich nicht sorgfältig genug recherchiert im Vorfeld? Und wenn schon der FDP-Spitzenkandidat für die Ratswahl dazugenommen wurde, warum nicht auch die Spitzenkandidaten von “Wir für Hannover” und von AktionSozial? Ach ja, es gibt auch Kandidaten von den Republikanern, der Pogo-Partei, der Partei bibeltreuer Christen und der Polnischen Wählergruppe Hannover für den Rat. Nur so am Rande...

1.8.06

Kleenex Interview 1979


Wie ich die Links zum Text zur Swiss-Wave-Compilation suchte stolperte ich über den deutschen Wikipedia-Eintrag zu Kleenex. Den Blödsinn, der dort stand musste ich erst mal berichtigen, von wegen die Band hatte sich bereits aufgelöst, als die erste LP erschien und so. Und wie ich so vor mich hin schrieb erinnerte ich mich an eine alte Musikcassette mit einem Kleenex-Interview. Tatsächlich lies sich das Ding noch abspielen und so präsentiere ich euch hier einen Betrag von Brigitte Rohkohl für die Sendung "Musik für junge Leute" auf NDR2 von Februar oder März 1979 (hey, das ist über 27 Jahre her!), ein Interview mit Kleenex in der Markthalle Hamburg vom 24.2.1979 anlässlich ihres Auftritts beim "Into the Future"-Festivals. Die 4 Titel von der Kleenex-EP als Begleitmusik zum Beitrag waren auf der alten Cassette bereits herausgeschnitten, vielleicht hab ich das damals bei der Überspielung von einer zur anderen Cassette gemacht.
Das Interview findet sich übrigens auch in dem Buch "Rockfrauen" von Brigitte Rohkohl, erschienen im Oktober 1979 bei Rowohlt als rororo-Panter-Taschenbuch.

Summary: This is an old recording of an interview with the all-female punkband Kleenex from Switzerland. It's from February 24th 1979, contains no music and is entirely in german and schwytzerdütsch language, so it might be not that interesting for you…

Brigitte Rohkohl interview Kleenex, 24.2.1979, 17:40 Minuten (download)