22.3.12

Hat Sven Regener Recht oder nicht?


Sven Regener (Sänger von "Element Of Crime" und Buchautor) im Gespräch mit Erich Renz (Bayerischer Rundfunk, "Zündfunk"-Redaktion) zum Thema Urheberrecht am 21.03.2012 oder so.
Ich komme im Augenblick nicht dazu, das zu kommentieren, aber Ihr könnte ja schon mal anfangen. Da die Datei unter www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/regener_interview100.html zum download bereit steht ist es wohl auch rechtlich zulässig, sie hier direkt einzubinden, oder?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich fürchte, er hat Recht.
Es gäbe keiner Musik, keine Bilder, keine Filme, wenn die Urheber nicht dafür bezahlt werden.

Wobei ich hier nicht die Diskussion anfangen möchte, dass bei einer verteilten Kopie ja kein Schaden entsteht, "… das Original ist ja noch vorhanden …", etc.

Es ist eher vergleichbar einer "Leistungserschleichung", wie beim Schwarzfahren in der Bahn: die Bahn ist vorher die gleiche wie nach der Schwarzfahrt, auch dürfte der Bahnbetreiber keinen direkten Schaden bemerken.
Aber: fahren zu viele Schwarz, rentiert sich das Betreiben der Bahn nicht mehr und alle können zu Fuss gehen.

Man sollte sich klar darüber sein, dass das Schwarzfahren wie das Einstellen von Werken juristische Konsequenzen haben kann.

franz hat gesagt…

die börse funktioniert auch schon nicht mehr gut, genau wie der atomstrom sind auch die plattenmillionäre ein auslaufmodell. was soll an einer monetären umstrukturierung des künstlertums schlecht sein? no more heroes heisst vielleicht heute: sven regener muss aufs arbeitsamt gehen. was soll daran schlimm sein? vielleicht kommt dann wieder eine generation von musikern, die es aus spass machen, wirklich "unkommerziell" wie die hippies dazu sagten. was soll daran schlimm sein, wenn sich ehemalige ideologien auf unvermutete weise mit grosser verzögerung durchsetzen? was ist schlimm an der technik, dass sie den menschen formt? - böse, böse. aussterben hilft dagegen, herr regener. und dann erst gemeingut werden.

olli hat gesagt…

Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte. Natürlich haben Künstler ein Recht darauf für ihre Arbeit bezahlt zu werden. Aber wenn er sagt daß es zwischen Plattenfirmen und Piraterie nichts gibt ist das Unfug - das beweisen viele Bands die ihr Material über Plattformen verbreiten. Und wenn er sagt daß es keine Indie Szene und keine Indie Labels mehr gibt zeugt das von Ignoranz und Weltfremdheit. Das klassische CD Modell wird sterben und das macht nix. Geld wird wieder auf der bÜhne verdient. Ich kaufe meine Musik am liebsten direkt beim Künstler. Sony und Universal können gehen. Und nochwas zu Youtube: viele Bands hätte ich nie kennengelernt, deren Alben nie gekauft, hätte ich sie nicht auf Youtube entdeckt. Das Problem bei Bands wie Element of crime ist doch folgendes: man bringt ein Album raus, spielt eine handvoll Gigs und dann ist wieder 2 Jahre Ruhe. Und Herr Regener meint, diese Aktivitäten müssen reichen um ihn und seine 4(?) Mitmusiker 2 Jahre lang zu ernähren. Soll er doch Bundespräsident werden.

Anonym hat gesagt…

Ich habe mit einigen Künstlern gesprochen die ihre Musik aufgegeben haben, weil sie nicht mehr davon leben können. Da wird es sicher viele geben. Das macht das Angebot an Musik flach. Und was heisst unkommerziell? Vielleicht sollte man das in der Arbeitswelt einführen, unkommerziell zu arbeiten, also ohne dafür bezahlt zu werden.
Was ist so schlimm an Liedern die so vielen gut gefallen und von ihnen gekauft werden. Da ist dann der böse raffgierige Künstler der die Lieder mit fieser Absicht so schön gemacht hat! Irgendwie wird da für mich kein Schuh drauss.

Anonym hat gesagt…

@ franz:

Hier bleibt (wie immer) die Frage offen: wie sollte eine "monetäre umstrukturierung des künstlertums" aussehen, wenn JEDE digitalisierte Form eines Werks ohne Konsequenzen beliebig oft kopiert werden kann?

Als Musiker ist es --vielleicht-- noch möglich, durch Gigs genügend Geld zu erwirtschaften, dass ein Überleben möglich ist, bei Autoren, Fotografen, Bild- oder Filmschaffenden, etc. aber wird das Werk in der Regel nicht im Rahmen einer Aufführung geschaffen oder reproduziert.

Wenn hier --von Verletzerseite!-- kein alternatives Modell angeboten werden kann, werden diese Urheber ihre Arbeit ganz einfach einstellen (ich bin Illustrator, ich weiß, wovon ich spreche).

Mich fasziniert, dass hier (wie auch in anderen Diskussionen) niemand Regeners Verweis auf Google aufgegriffen hat; dieser Konzern ist der Gewinner, wenn das UrhG im Sinne der Piraten geändert wird, jeder Klick bringt bares Geld, und deshalb wird von diesem Konzern auch sehr viel in die Lobbyarbeit investiert.

Für Urheber liest sich der Hinweis auf eine "monetäre Umstrukturierung des künstlertums" übrigens wie Hohn:
damit wird ihnen empfohlen, sich von der Abhängigkeit von einer Sorte von Verwertern (Verlagen, etc.) in eine Abhängigkeit einer anderen Sorte (der "Distributoren", wie Google, Facebook, Amazon, Apple, etc.) zu begeben.

Diese Konzerne sind schon jetzt (nicht zuletzt politisch) mächtiger als jeder Verlagskonzern es je sein könnte, und sie zeigen schon jetzt, dass ihre ABGs weniger verhandelbar sind als es die Werkverträge mit den "alten" Verwertern es je waren.

Ich kenne viele professionelle Urheber (Autoren, Texter, Illustratoren, Musiker, Fotografen, Journalisten, etc.), die ihren Job aufgeben werden, wenn eine Distribution ihrer Werke nur noch zu den Bedingungen der "neuen Verwerter" stattfinden dürfen.

Und dann heisst es: avanti dilettanti!

BabettG hat gesagt…

Franz schreibt: "...sven regener muss aufs arbeitsamt gehen. was soll daran schlimm sein?"
DU bist nicht Sven Regener, klar, dann kann DIR das egal sein. Welch Egoismus!
Es gibt im deutschen Grundgesetz die Eigentumsgarantie (Art. 14). Wenn der Urheber nicht an den Früchten seines geistigen Eigentums beteiligt wird, ist das eine verfassungswidrige Enteignung. Was würdest Du, lieber franz, sagen, wenn ich drüber bestimme, ob Du was verdienst und wenn Du nix verdienst, bemerke ich einfach "was soll daran schlimm sein"??
Demokratie ist konstituierend für unser Land. In Eigentumsfragen stößt sie aber an Grenzen: Es wird nicht demokratisch darüber bestimmt, ob jemand entschädigungslos (!!) enteignet wird. Es geht nicht, dass 99 % der Bevölkerung als Nutzer über das geistige Eigentum der 1% der Bevölkerung, die Urheber sind, bestimmen.
Oder wie wär´s mit einer demokratischen Umfrage "Wer alles ist für Freibier ohne Ende?" Alle Biertrinker sind dafür, ...naja, und die wenigen, die in der Brauindustrie arbeiten, werden locker ganz demokratisch überstimmt.
Was soll übrigens immer der Müll mit den Plattenmillionären? Wenn ein Urheber, ein Musiker oder ein Plattenlabel mit seiner Musik Erfolg hat, was ist daran verwerflich?
Hier faseln Leute von der "monetären umstrukturierung des künstlertums" und wollen über das Eigentum anderer Leute bestimmen (nur weil man selbst als User gerne weiterhin für umsonst deren Content möchte). So ein Unfug.
Lieber Franz, was arbeitest Du? Gib mal Bescheid, ich möchte auch mal über Dein Eigentum bestimmen und Deine monetären Verhältnisse umstrukturieren. Kann doch nicht schlecht sein, oder??

franz hat gesagt…

ich lach mich tot! jetzt klinken sich die duckmäuser hier wieder auf mich aus:D

liebe babett, ich bin arbeitslos und hoffe, das lässt dir genug wind in den segeln, um mich kräftig weiter zu hassen :D

mir haben schon so viele leute den kreativen geldhahn abgedreht, dass der griff eingerostet ist. ausserdem hat mich persönlich geld im zusammenhang mit musik nie geschert. als ich noch welches hatte, hab ich es in die musik investiert und als meine kumpel anfingen, welches mit ihrer musik zu verdienen, war ich draussen und nicht traurig darüber.

wenn ich glaube, dass du als sven regener-fan das verstehst oder akzeptierst, stelle ich mich dümmer, als ich auch ohne geld bin.

du erinnerst mich spontan und auf anhieb an meine sachbearbeiterin auf dem arbeitsamt. bloss glaube ich nicht, dass diese frau freiwillig über meine verhältnisse bestimmen möchte, sondern gezwungenermassen.

wenn du dich deutlicher exponieren & echauffieren möchtest, kommentier doch bitte meinen diesbezüglichen artikel im ostrich.

ps: was hast du persönlich mit musik und tantiemen zu tun?

wenn du konsument bist und einfach gerne zahlst, dann zahl doch demnächst einfach für mich mit. es wird sich schon eine möglichkeit finden.

lg, franz