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6.10.11

Piratenwatch


Wie gesagt hat mich der Erfolg der Piratenpartei auf Bezirksratsebene überrascht und ich kann nicht wirklich erkennen, was deren kommunalpolitischen Positionen sind. Für mich hat der Erfolg der Piraten eher etwas mit einem naiven Wählerprotest zu tun, weshalb ich mich entschlossen habe, zukünftig die Bezirksratssitzungen in Südstadt-Bult zu besuchen, um dort (nicht nur) die Vertreterin der Piraten zu beobachten.

Die erste Sitzung des Bezirksrats nach der Kommunalwahl am 5.10. fand allerdings noch in alter Besetzung ohne Piraten statt und war relativ kurz. Es gab einen Vortrag zur Kriminalitätsstatistik 2010, wonach die Sicherheit im zuständigen Polizeikommissariat, das größer als der Stadtbezirks ist, deutlich über der durchschnittlichen Sicherheit von Hannover liegt. Nun ja, in der Innenstadt leben nicht so viele Menschen, dafür spielt sich dort das Nachtleben ab, was ganz andere Anteile an Delikten je 1.000 Einwohner ergibt als in der heimeligen Südstadt, wo nachts so mancher Bürgersteig hochgeklappt wird. Übrigens ist die Kinderkriminalität gestiegen, was auf eine verbesserte Zusammenarbeit der Polizei mit den Schulen und weniger Nachsicht von Eltern bei den Folgen von Keilereien zurückgeführt wird. Mehr Anzeigen heißt nicht automatisch mehr Taten, sondern kann auch weniger Dunkelziffer bedeuten. Von Seiten von Bündnis 90/Die Grünen gab es Nachfragen zu politischer Kriminalität und zu häuslicher Gewalt, wozu der nette Polizeibeamte aber keine konkreten Zahlen liegen konnte (gegen staatliche Überwachung sein heißt eben auch weniger statistische Erkenntnisse). Danach wurden die Bebauungspläne 1759 und 1750 behandelt. Bei letzterem gab es einen interessanten Interessenkonflikt, nämlich mehr Parkplätze für Anwohner gegen das Recht auf Nachtruhe, wobei das Eintreten des FDP-Vertreters für die Autofahrer gegen die Nachtruhe nicht soo überraschend war. Anschließend wurde Geld verteilt und zwar 1.400,- für einen Bollerwagen (Gesamtkosten 1.585,-) und 2.500.- (von 4.200,-) für eine Krabbelburg, beides zu Gunsten der Kindertagesstätte Sternkinder der jüdischen Gemeinde. 1.500.- (von 3.500,-) gab es für die katholische St. Heinrich-Gemeinde für eine Küchenerneuerung und die freikirchliche Gemeinde am Döhrener Turm (der Döhrener Turm liegt ja lustigerweise im Stadtteil Südstadt, nicht etwa in Döhren, noch nicht mal in Waldheim/Waldhausen) bekommt 500,- (von 880,-) für eine Kletterwand. 450,- (von 800,-) gab es für ein Projekt Mittelalter des Kulturbüros Südstadt, das Klecks-Theater (die immer noch glauben, ich sei Mitglied der Bezirksratsfraktion der Grünen) bekommt 3.000,- (von 3.300,-) für den Ersatz technischer Geräte, und 2.300,- (von 4.000,-) gehen an den Post SV für Sportgeräte. Schließlich steuert der Bezirksrat eher symbolische 500,- zu den Gesamtkosten von 13.000,- von einer Ausstellung von Rolf Sommer im SofaLoft bei, ich nehme an, das ist eher so ein Druckkostenzuschuss für Werbung und Katalog. Ich hoffe, ich habe das alles richtig verstanden, weil die Raumakustik im Haus der Religionen ist nicht so optimal, besonders, wenn die meiste Zeit ein Dauerton einer geöffneten Sicherheitstür im Hintergrund pfeift. Danach folgten 2 Anträge zur Ausbesserung von Straßenbelag und zu einer ökologischen Spielplatzsanierung, wo dabei der Wunsch geäußert wurde, einen mädchenspezifischen Spielraum einzurichten. Ich kann verstehen, das so manchem Leser (auch Leserinnen?) jetzt gehässige Gedanken durch den Kopf gehen und auch die Diskussion im Bezirksrat war davon nicht frei, aber nach längeren Zuhören fand ich den Gedanken eines mädchenspezifischen Spielplatzes eigentlich interessant. Und dann war nach der Ankündigung von Stolperstein-Verlegungen im Stadtbezirk auch schon Schluss, soll heißen, für den nachfolgenden vertraulichen Teil (irgendwelche Bau- und Personalsachen vermutlich) musste das Publikum den Raum verlassen. Es wird interessant sein zu beobachten, wie die Piraten mit solchen Vertraulichkeiten umgehen und wie radikal sie das mit der Transparenz nehmen. Ernst wird es für sie dann am 23. November.

19.9.11

Die Piraten


Um ehrlich zu sein hat mich der Erfolg der Piraten bei der Wahl am 18.9. in Berlin etwas überrascht. Ich habe mir daraufhin mal die Kommunalwahlergebnisse eine Woche vorher (11.9.) in Hannover genauer angesehen, insbesondere die der Bezirksräte, ganz einfach, weil diese unterste kommunale Ebene eigentlich vom Image der Piraten am Weitesten entfernt ist. Hier geht es nicht um Internet und Überwachung, sondern um Spielplätze, Ampeln und Bauplanung, Themen, die mensch (fuck post-gender) eigentlich bei den traditionellen Parteien lokal am besten aufgehoben vermutet, weil die eben schon eine lange kommunale Erfahrung und einigermaßen breite lokale Mitgliederbasis haben und weniger im virtuellen Raum der Bundes- und Europapolitik leben.

Hannover hat 13 Stadtbezirksräte. Erwartungsgemäß sind in allen SPD, CDU und Grüne mehrfach vertreten, die FDP stellt 8 Einzelkämpfer. Es gibt 13 Bezirksrats-Mitglieder von Die Linke, die, wenn man die soziale Struktur von Hannover kennt, nicht überraschend nicht im Osten Hannovers (Misburg-Anderten und Kirchrode-Bemerode-Wülferode) vertreten ist Stadt (Nachtrag: aus der Veröffentlichung des Gemeindewahlausschusses vom 28.9. entnehme ich, dass die Linke in diesen Stadtbezirken gar keine Kandidaten aufgestellt hatte), dafür gleich dreimal in Linden-Limmer. Zusätzlich gibt es dort ein Bezirksrat-Mitglied des BSG (Bündnis für soziale Gerechtigkeit), und ein Mitglied der ASH (Aktion Soziales Hannover) sitzt im Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken (2006 kamen alle linken Gruppierungen zusammen auf 13 Bezirksrats-Mitglieder). An anderen Ende des politischen Spektrums fällt auf, dass es Die Hannoveraner in keinen Bezirksrat geschafft haben, die WfH (Wir für Hannover) stellt dagegen 4 Bezirksrats-Mitglieder in Misburg-Anderten, Kirchrode-Bemerode-Wülferode, Döhren-Wülfel und Ahlem-Badenstedt-Davenstedt (2006 waren es noch 3 Mandatsträger) (Nachtrag: aus der Veröffentlichung des Gemeindewahlausschusses vom 28.9. entnehme ich, dass die WfH auch nur in diesen Stadtbezirken Kandidaten aufgestellt hatte und dass Die Hannoveraner gar keine Kandidaten in den Stadtbezirken aufgestellt hatten). Die WfH hat wieder einen Sitz im Rat, dazu kommen jetzt 2 Sitze der Hannoveraner. Es ist interessant zu sehen, dass die Wähler der Hannoveraner entweder kein Interesse an Politik auf Bezirksratsebene haben, oder wissen, dass diese rechte Gruppe namens Die Hannoveraner im Rat nicht ganz so viel Schaden anrichten kann wie in den Bezirksräten. Schließlich Die Piraten: sie stellen 8 Bezirksrats-Mitglieder und zwar in Mitte, Vahrenwald-List, Misburg-Anderten, Südstadt-Bult, Döhren-Wülfel, Linden-Limmer, Ahlem-Badenstedt-Davenstedt und Nord – quer durch die Stadt (Nachtrag: aus der Veröffentlichung des Gemeindewahlausschusses vom 28.9. entnehme ich, dass die Piraten auch nur in diesen Stadtbezirken Kandidaten aufgestellt hatten). Hinzu kommen je 2 Mitglieder im Rat und in der Regionsversammlung. Auch die FDP sitzt mit 2 Mitgliedern in Rat, dafür reichten ihnen 13.981 Stimmen. Die Hannoveraner bekamen 16.621 Stimmen und die Piraten 17.733. Mit 4.000 Stimmen mehr hätten die Piraten Die Linke überrundet und 3 Sitze gewonnen. Die Einzelvertreterin der Piraten im Bezirksrat Südstadt-Bult bekam 263 Stimmen, was jeweils um die 80 Stimmen mehr als die der Einzelvertreter der FDP (185 Stimmen) und Die Linke 176 Stimmen) ist, wobei allerdings entscheidend für den Erfolg die Gesamtstimmenzahl für die jeweilige Partei (Stimmen für die einzelnen Kandidaten und die Gesamtliste zusammen) war, hier haben die Piraten die 1.835 Stimmen bekommen (FDP 1.691 Stimmen; Die Linke 1.557 Stimmen).

Zu dem Erfolg der Piratenpartei stellt der Wahlbericht der agis (Arbeitsgruppe Interdisziplinäre Sozialstrukturforschung der Leibniz Universität Hannover) fest: Die Piraten-Partei hat insgesamt 3,5% der Wählerstimmen erzielt und hat ihre relativen Hochburgen in Gebieten mit einem hohen Anteil an EU-Ausländern (6,2%), vielen Angehörigen des Milieus der "Hedonisten" (junge, moderne Trendsetter) (6,1% - dies ist auch eine Hochburg der Linken), vielen Personen im Alter von 18 bis 25 Jahren (6,0%), sowie in Gebieten mit einem hohen Anteil von Altbauwohnungen (5,9% - dies ist auch eine Hochburg der Grünen). Zitat: "GRÜNE, LINKE und die PIRATEN-Partei konkurrieren alle um die jungen, modernen Trendsetter ("Hedonisten"). Die GRÜNEN haben daneben aber ihre Basis dauerhaft auf gehobene Milieus ("Postmaterielles Milieu") ausgedehnt. Die LINKEN oszillieren zwischen ehemaligen SPD-Wählern und den jungen Großstadtmilieus."

verfasst 19.9.2011/berichtigt 29.9.2011

10.9.11

Kommunalwahl 2011 - Schlußspurt

Auf den letzten Metern lassen Die Hannoveraner doch noch die Maske fallen ...

... und die Junge Union beweist, dass sie nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit der CDU ist.

5.9.11

Kommunalwahl 2011 - SPD

Das Wahlkampfkonzept der SPD zur Kommunalwahl 2011 setzt komplett auf Personalisierung. Außer 4 Themenplakaten sieht man nur Kopfplakate. Die Themenplakate sind kuschelig positiv, um nicht zu sagen einschläfernd. Dazu kommen ein paar wechselnde Großplakate, auf denen u.a. Oberbürgermeister Weil auftaucht, der zwar nicht zur Wahl steht, aber eben doch das Gesicht der SPD in Hannover ist. Gleiches gilt für den Regionspräsidenten Jagau. Mehr fällt mir zu dieser Anhäufung von Langeweile nicht ein.

Kommunalwahl 2011 – CDU

Das Wahlkampfkonzept der CDU zur Kommunalwahl 2011 ist das komplette Gegenteil von dem der SPD. Die paar Köpfe, die man sieht, gehören zu den Regionskandidaten, das Personalangebot für Rat und Bezirksräte bleibt komplett unsichtbar. Und wenn dann mal Gesichter auf einem Großplakat auftauchen, dann sind das der niedersächsische Ministerpräsident, die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, die stellvertretende Vorsitzende des Unterausschusses Regionale Wirtschaftspolitik des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie des Deutschen Bundestages, die niedersächsische Sozialministerin, der CDU-Kreisvorsitzende und der Fraktionsvorsitzende der CDU-Ratsfraktion Hannover, letzterer tatsächlich als Einziger überhaupt Kandidat für die Kommunalwahl. Soviel zum politischen Profil der CDU in Hannover. Auch hier sind die Themenplakate eher kuschelig, abgesehen von den Forderungen nach zusätzlichen Polizeistreifen (die tatsächlich ja keine Kriminalität verhindern, sondern nur in andere Gegenden verdrängen – unabhängig davon hat die Kommune beim Thema Polizei gar keine Kompetenz, das ist Ländersache, und somit ist das Plakat eigentlich Wahlbetrug) und der "grünen Welle". Immerhin hat sich die CDU die Mühe gegeben, lokale Themen aufzugreifen, allerdings ist mir unklar, was mit "unsere Vereine" gemeint ist. Etwa kein Geld für SPD-nahe Vereine und solche mit vielen Ausländern? Irritierenderweise hat die CDU für den Regionswahlkampf eigene Plakate entwickeln lassen, die ein abweichendes Design haben. Amateure eben.

Kommunalwahl 2011 – FDP

Die FDP war ja noch nie eine Partei mit starker kommunaler Verankerung, weshalb auch hier die Themen eher dürftig plakatiert werden und eigentlich auch fast keinen kommunalpolitischen Bezug haben, außer bei diesem Pink Floyd-Sparschwein. Und wenn die Liberalen plötzlich mit dem Begriff "Heimat" arbeiten krieg ich irgendwie das Gefühl, dass der Partei der Arsch auf Grundeis geht. Dagegen setzten sich die Jungen Liberalen ganz mutig u.a. für das Recht auf Suff ein, ein Plakat, das natürlich nur vor Schulen zu finden ist. Ansonsten plakatiert die FDP Köpfe, wobei ich mal gehört habe, dass bei der CDU die Kandidaten ihren Wahlkampf teilweise selbst bezahlen müssen. Das scheint auch bei der FDP der Fall zu sein habe, ansonsten kann ich mir nicht erklären, weshalb die einzigen 3 bisher gesichteten Frauen sich ein Plakat teilen müssen. Herr Engelke dagegen scheint genug Geld zu haben, um sich sogar ein Großplakat zu leisten einschließlich neumodischen QR-Codes.